Präambel
Die Menschheit geht in ein neues Zeitalter. Die vor uns liegende Epoche wir zentral vom Lernen und Leben globaler Verantwortung geprägt sein. Dazu werden wir gleichermaßen individuelle wie kollektive Gewissensfragen durch unser Handeln beantworten müssen. Individuelle wie kollektive „globale“ Intelligenzen von Menschen, Gruppen, Organisationen, Kooperationen und Netzwerken werden damit neu erschaffen und aufgebaut.
Wir alle stehen staunend vor den Errungenschaften und Leistungen unserer Technologien und Systeme, die immer schneller und schneller die Ressourcen unseres Planeten – wie auch unserer eigenen Menschheitsfamilie – ausbeuten und in fragliche „Werte“ umsetzen. Dieses wachstumsgetriebene Wirtschaften hat einige gute aber auch viele bittere Seiten. Für gewisse Teile der Menschheit schafft diese Wirtschaft Wohlstand und Lebensqualität. Doch schafft es auch Armut, Billiglöhne, massive Landflucht und Ressourcenausbeutung. Bauen wir schon wieder einen Turm zu Babel?
Wie sieht ein Wirtschaften aus, das ein „gutes“ Wirtschaften ist?
Welche Produkte und Dienstleitungen schaffen eine sozial und ökologisch gerechtere Zukunft?
Wie müssen Unternehmen heute geführt und organisiert werden, dass Wertvolles und Achtsames entstehen?
Globale Verteilungs- und Entwicklungsfragen, die Fragen nach dem Sinn und Widersinn eines Wirtschaftens, das kein Halt und keine Grenzen kennt vor sozialen und naturgegebenen Grenzen, die Suche und Neuerfindung zentraler Leitwerte unserer Lebens-, Konsum- und Wirtschaftskulturen, bewegen weltweit Millionen von Menschen. Sie alle eint die Gewissheit: weiter wie bisher - business as usual - ist definitiv keine Option. Und daher finden sie tausende andere, bessere Lösungen. Große Teile der KonsumentInnen fragen bereits nach Gesundheit und Nachhaltigkeit. Im neune Zeitalter werden es wie selbstverständlich alle sein. Denn „Sustainability“ und „globale Verantwortung“ sind längst zu zentralen Leitmotiven der modernen Alphabetisierungswelle geworden.
Wir spüren das Neue auf den unterschiedlichsten Ebenen. Heute stellen wir uns in allen Gesellschaften die Frage nach der dauerhaften Zukunftsfähigkeit unseres Schaffens und Handelns.
- Ist meine Art des Wirtschaftens und Konsumierens global fair?
- Werden die Produkte ökointelligent erzeugt?
- Sind Dienstleistungen heilvoll und gesundend?
Ein neues Verständnis für die Zusammenhänge ist im Entstehen. Der Planet Erde wird als Heimat begriffen, die es liebevoll zu pflegen, gewissenhaft zu bewahren und intelligent zu gestalten gilt. Das Agieren innerhalb von Grenzen sozialer und natürlicher Tragfähigkeiten wird ebenso achtsam wahrgenommen wie die Vielfalt und Synergien unterschiedlicher Kulturen, Gesellschaften und Lebensformen, die dieser wunderbare Teil Weltenkosmos beherbergt. Das neue Leitbild, das das größere Ganze in unser Denken, Fühlen und Wollen mit einbezieht, nennen wir „Nachhaltige Entwicklung“. Und wenn Unternehmen als intelligente, lernfähige Systeme sich dieser neuen epochalen Herausforderung als echte Markt- und Innovationschance stellen, dann wir daraus „Corporate Sustainability“.

Abbildung: Natur, Wirtschaft und Gesellschaft in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit
Corporate Sustainability bringt nicht nur das Neue wie globale Verantwortung, Fairness, heilvolle Produkte etc. hervor, es ist an sich etwas völlig Neues. Sustainability ist der Prozess ständiger Weiterentwicklung des Unternehmens, ist das Erlernen der Zukunftsfähigkeit und Gestaltungskraft der Organisation, das die Entwicklung der Menschen und Ihrer Zusammenarbeit, die Entwicklung der gesamten Unternehmenskultur, der Kunden und des unternehmerischen Umfeldes mit einschließt.
Die Leitidee „Sustainability“ ist für die zeitgemäße Unternehmensentwicklung die zentrale Größe und bringt daher eine völlig neue Dynamik in Gang. Haben die Unternehmen in der Vergangenheit ihre Entwicklungsimpulse vor allem von den Kundenwünschen bzw. dem Markt im alten Sinne bezogen, so wird in Zukunft ein zweites impulsgebendes Element entscheidend: der Beitrag zum Ganzen, dessen Teil das Unternehmen ist. Durch dieses bezieht und gewinnt alles Tun und Schaffen der Unternehmung einen „höheren Sinn“. Der Beitrag zum Ganzen definiert sich als Nutzen der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens über den reinen Kundennutzen hinaus. Dieses „darüber hinaus“ wirkt sinn- und wertstiftend für Region, Gesellschaft, Menschheit, Natur. Und das fragt der mündige Kunde von morgen.
Wie Unternehmen einst an Kreativität und Flexibilität gewonnen haben, indem sie sich von der Produkt- zur Kundenorientierung entwickelten, so werden sie nun an Innovations- und Gestaltungskraft gewinnen, indem sie das Ganze mit in ihre strategischen Überlegungen einbeziehen, indem sie Corporate Sustainability, also die Verantwortung dem Ganzen gegenüber, als Kernprozess einer zeitgemäßen Unternehmensentwicklung erkennen. Neben der Frage „Was wünscht und erwartet der moderne Kunde?“ führt eine zweite, tiefer liegende Frage zum eigentlichen Bedürfnis: „Wonach ruft das Ganze?“